Vietnams Perle

Hoi Ans Idylle ist unbeschreiblich. Besonders morgens, wenn die Stadt langsam erwacht, zeigt sie ihren ganzen Charme. Über eine frühe Ankunft und das vielleicht beste Hostel meiner bisherigen Reise.

Nichts außer ein rhythmisches Quietschen. Stille. Eine zierliche alte Frau, den typischen Kegelstrohhut tragend, sitzt kerzengerade auf einem ächzenden Damenrad. Sie fährt über die Brücke am Hafen, die die beiden Stadtteile Hoi Ans miteinander verbindet. Zwei Boote stoßen durch den leichten Strom aneinander. Ein dumpfes, hölzernes Geräusch.

Hoi An ist im südchinesischen Stil erbaut

Dieser Moment um 5.30 Uhr ist reines Soulfood. Ich sitze auf einer Bank an der Kaimauer. Ich warte darauf, dass ein Lokal, ein Café, mein Hostel öffnet. Doch das dauert noch. Aus dem Warten wird Genießen.

Kanton oder Granada?

Wie gemalt liegt die Altstadt von Hoi An auf der anderen Seite des Kanals vor mir. Angelaufene gelbe Häuser, rotbraune Ziegeldächer, schmale Gassen und kunstvolle Brücken. Die Szenerie hat etwas Mediterranes, als würde das südchinesische Meer mit der Adria zusammenfließen.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Die ersten Gut-Wetter-Sportler traben den Kanal entlang. Einige Fotografen sind extra früh aufgestanden, um den morgendlichen Zauber aufzufangen. Mittlerweile stehen bestimmt zehn Exemplare dieser Art an verschiedensten Punkten des Hafens. Erste Touristen taumeln verträumt aus den Gassen. Angestrengtes Keuchen, das Klappern von Stativen, blödes Gerede. Die Stille ist hin. Es ist kurz vor 7 Uhr. Das Hostel macht auf, ich stehe auf und gehe.

Elf zu null

Gegen 5 Uhr war ich in Hoi An angekommen. Elf Stunden Fahrt in einem Sleeper-Bus. Null Stunden schlaf. Der Gepäckraum war voller Hühnerkäfige (inklusive Inhalt), weshalb man meinen Backpack einfach in den Gang zwischen den Sitz-Stockbetten gelegt hatte. Die Betten waren nicht für knapp 1,90 Meter große Europäer ausgelegt und hinzu kam, dass ich meinen Kamera-Rucksack nicht zum anderen Gepäck auf den Boden legen wollte. So blieb er acht Stunden lang zwischen meinen Beinen. Das war verdammt unbequem und schlafen konnte ich erst recht nicht.

Das Tribee Cotu

Nach Nha Trang hatte ich den Drang (Vorsicht, extrem schlechter Witz), unter Menschen zu kommen. Im Tribee Cotu Hostel kam ich voll auf meine Kosten. Es dauerte nicht lange und ich kam mit meinem Bettnachbarn ins Gespräch. Cédric, 29, aus Belgien. Passt, dachte ich. Wenige Minuten später kam dann Alexis, 28, ins Zimmer. Super, dachte ich, passt auch! Aus einem bierreichen Abend, wurde ein Daytrip am folgenden Tag.

Unterkunft der Herzen

Wie war das? Das beste Hostel meiner bisherigen Reise? Ja, es gibt auf diesem Planeten sicher eine Menge ästhetisch ansprechendere Hostels als das Tribee Cotu. Doch was nur wenige Unterkünfte bieten können: diese positiven Vibes, diese Backpacker-Aufbruchstimmung zu transportieren. Es gibt jeden Tag kostenlose Stadttouren, Kochkurse und Rum-Kola-Abende. Die Mitarbeiter sind sehr zuvorkommend, das Hostel hat zwei Häuser weiter eine eigene Bar und man kann Motorroller und Fahrräder mieten. Was nach einer Booking.com-Rezession klingen mag, war genau das, was ich nach der Tristesse von Nha Trang gebraucht habe – Menschen. Und ich schätze im Nachhinein betrachtet, war genau das der Grund, weshalb bisher noch keine Unterkunft meine Reise in dieser Art und Weise geprägt hat.

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