Nördlich von Hanoi liegt Há Giang. Die Stadt ist sehr unspektakulär, trotzdem kommen jährlich Tausende von Touristen. Über atemberaubende Landschaften, Motorradgetriebe und die Hoffnung auf heile Rückkehr.
Breite, staubige Straßen, das Knattern hunderter Motorräder, marode Gebäude und kommunistische Monumente. Die vietnamesische Stadt Há Giang hat nicht besonders viel Charme. Im Gegenteil. Die Bevölkerung ist bitterarm, es gibt keine schönen Viertel, keine Paläste oder Pagoden. Wieso sollte man dort also hinwollen?
Es ist der der Há Giang-Loop, der die Massen anlockt. Dieser Panoramarundkurs führt durch die atemberaubende Bergwelt der Há Giang-Provinz. Reisende leihen sich dafür ein Motorrad aus und erkunden in entenfamilienählichen Karawanen die Landschaft. Genau das habe ich auch gemacht. In diesem Artikel möchte ich euch von meiner Zeit auf dem Loop berichten und Unentschlossenen bei der Entscheidung helfen.
Gebt euch einen Ruck!
Zunächst an alle Unentschlossenen: Schnauze halten und machen! Ihr werdet es sonst bereuen. Der Loop war mein unangefochtenes Highlight in Vietnam. Warum? Ganz einfach – weil die Natur, die ihr dort zu sehen bekommt, unvergleichlich ist. Dicht begrünte Bergketten, Reisterrassen, Schluchten und Täler, tiefblaue Gebirgsflüsse, Panorama-Straßen, abgeschiedene Dörfer und Staatsgrenzen. Hier kommt jeder auf seine Kosten.

Zuerst wollten meine beiden Reise-Buddies und ich die Tour auf eigene Faust wagen. Deshalb entschieden wir uns für ein Reisepaket von Mama’s Homestay. Darin enthalten waren die Motorräder für vier Tage, Versicherung, Knie- und Ellenbogenschoner sowie alle Unterkünfte. Der Plan: Maschine abholen, losfahren und genießen. Für alles war gesorgt.
Als wir dann zwei Tage später in besagtem Hostel eincheckten, legte uns die Angestellte nahe, mit einer Reisegruppe zu fahren. Die Gruppe bestand aus zwei vietnamesischen Guides, zwei niederländischen Pärchen, zwei belgischen Studentinnen und uns dreien (einem flämischen Belgier, einem Schweizer und mir). Im Endeffekt waren die zwei Vietnamesen, der Schweizer und ich die einzigen, die kein Niederländisch verstanden. Das war jedoch nicht weiter schlimm – nur sehr witzig!
Nichts für blutige Anfänger
Rattattattatta – das 110er Semiautomatik-Bike (Honda Blade) surrt geschmeidig unter meinem Hintern. Vor mir der Guide und, auf dem selben Motorrad sitzend, einer der Niederländer. Für Fahrer, die sich diese Aufgabe noch nicht 100 prozentig zutrauen, gibt es die Möglichkeit, bei einem Easy Rider mitzufahren. Das hat auch seine Vorteile. Immerhin kann man die Landschaft genießen, ohne sich auf das Fahren konzentrieren zu müssen. Denn selbst fahren ist nicht ganz ohne.

Eine kurze Einschätzung meinerseits: ich saß während des Há Giang-Loops nicht zum ersten Mal auf einem Motorbike. In Deutschland fahre ich einen 50 Kubik-Roller, habe also bereits ein Gefühl für Zweiräder. Wenn ihr noch nie Roller gefahren seid: der Loop ist nicht die beste Gelegenheit, dies zu lernen.
Es ist nicht unbedingt der Verkehr, der meiner Meinung nach die größte Gefahr darstellt. Nein, die Straßen sind teilweise in unglaublich schlechter Verfassung. Ihr müsst die Begebenheiten einschätzen können, wissen, wie ihr die engen Kurven nehmt, wie ihr bremst und beschleunigt. Wenn ihr euch also nicht sicher oder gar noch nie Motorrad gefahren seid, setzt auch bei einem Guide mit drauf.
Entdecke das Land auf dem besten Wege
Regel Nummer eins im vietnamesischen Straßenverkehr: bleib einfach im Flow. Fahr mit den anderen mit, sei immer wachsam, halte dich von LKW und Bussen fern. Gerade für Europäer ist es schwer, die passive Fahrweise abzulegen. Ihr müsst die ganze Zeit aktiv fahren, immer im Gedächtnis behalten „dich sieht niemand“ und dann ist das auch gar kein Problem.
Ganz im Gegenteil. Dann ist der Scooter das beste Fortbewegungsmittel, das es gibt. Ich liebe dieses Freiheitsgefühl, das bereits beginnt, wenn man den Motor zündet. Dieses beruhigende Rattern, das dumpfe, bassige Dröhnen, wenn man schaltet. Der Wind bläst dir ins Gesicht. Du verschmilzt mit der Maschine. Aus den Kurven heraus Gas geben. Freiheit. Leichtigkeit. Emotionen.
Im zweiten Teil von „Hà Giang – eine Tour, die dein Leben verändert“ erzähle ich euch, wo ihr schlaft, was euch an der chinesischen Grenze erwartet und warum Happy Water eine böse Sache ist.
Das klingt wundervoll! Jetzt möchte ich das Abenteuer auch mal angehen! Danke für deinen Eindruck!
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Hi Lilli! Es ist wirklich wundervoll dort. Ich hatte nicht sonderlich viel Glück mit dem Wetter (Regen, Matsch, Kälte) – trotzdem hatte ich auf dem Ha Giang-Loop die vier besten Tage meiner Reise. Freu dich darauf! Und denk daran: lieber einen Sweater mehr einpacken. 🙂
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