Wo schläft man eigentlich auf dem Há Giang-Loop? Wie sehr ist die Tour vom Wetter abhängig und was erwartet mich an der chinesischen Grenze? In diesem zweiten Teil von „Há Giang – eine Tour, die dein Leben verändert“ erfahrt ihr genau das. Außerdem verrate ich euch, wie fies Happy Water sein kann.
„Hier lassen wir unsere Motorbikes stehen“, sagte einer der beiden Guides. Die Kolonne hatte auf einer abgelegenen Staubpiste gehalten. Links ging es steil bergab, rechts eine Böschung nach oben. „Folgt mir“, sagte der selbe Guide und deutete auf den Hügel: „Da klettern wir hoch.“ Es waren nur wenige Schritte durch Dreck und Geröll, dann erreichten wir die Kuppe. Vor uns lag eine flache Senke – „the chinese boarder“.
Die nördlich der Há Giang-Provinz gelegene Grenze zu China ist eine Attraktion auf dem Loop. Es gibt zwar keine Zäune, dafür aber Grenzschützer und Checkpoints. Und wenn die dich beim unerlaubten Grenzübertritt erwischen, verbringt man laut Hostel-Überlieferungen, die kommenden zwei Wochen in einem chinesischen Gefängnis.
Irgendwas stimmt hier nicht
Je länger ich die Umgebung betrachtete, desto mehr beunruhigte mich, was ich sah. In weiten Abständen waren grabsteinähnliche Betonplatten aufgestellt worden, auf denen Totenköpfe, gekreuzte Knochen und chinesische Schriftzeichen abgebildet waren. Minen? Selbstschussanlagen? Alligatorengräben? Keine Ahnung, aber ein gutes Zeichen war das nicht. Noch viel gruseliger war aber der schwarzgestrichene Wachturm, der etwa 200 Meter entfernt aus dem Berg ragte. Auf den ersten Blick sah er aus wie ein Strommast. Doch dann erkannte ich die kleine Kabine auf der Spitze – ziemlich sicher eine Kamera. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass wir noch nicht entdeckt worden waren.

Während der Guide und einige Gruppenmitglieder einem Trampelpfad folgten, blieb ich stehen und schoss ein paar Bilder. Als ich mein Smartphone eingesteckt hatte und gerade aufschließen wollte, kamen mir die ersten wieder entgegen. „Da vorne stehen Polizisten, wir müssen zu den Motorrädern zurück.“ Okay, dachte ich. Von chinesischen Behörden lasse ich mich nicht zwei Mal bitten.
Eine unglaubliche Erfahrung
Der Há Giang-Loop ist etwas ganz Besonderes. Ich bin in meinem Leben schon viel herumgekommen, war in Australien, Neuseeland, in einigen südostasiatischen Ländern, Südamerika und Afrika. Doch eine vergleichbare Landschaft habe ich bisher noch nie gesehen. Sanfte grüne Hügel, kleine verträumte Bergdörfer, eindrucksvolle Schluchten und Täler. Ich korrigiere mich: die größte Gefahr beim Motorradfahren besteht darin, dass man vor lauter Staunen in die Leitplanken fährt.

Obwohl es bei uns an zwei von vier Tagen geregnet hat – sonst war es bewölkt und windig –, hatte die Tour etwas Magisches. Wie muss es dann sein, wenn es sonnig und trocken ist? Weil sich das Wetter manchmal schneller ändert, als der lausige, vietnamesische Wetterdienst schalten kann, immer daran denken: Die richtige Kleidung ist wichtig! Also eine gute Regenjacke sowie trockene Unterwäsche mitnehmen, und lieber einen Sweater mehr einpacken. Das Gebirgsklima ist rau.
Một, hai, ba, zo!
Es ist das Gesamtpaket, das dir in Erinnerung bleibt. Die Landschaft, die Freiheit, das Zusammensein. Unterwegs schläft man in Homestays, die es in der Zwischenzeit reichlich und in jedem größeren Dorf gibt. Ankommen, eine warme Dusche und dann zusammen abendessen. Wir hatten eine Menge Spaß.

Allein das Essen in den Homestays ist eine Reise wert. Lecker, fettig, reichlich – genau das, was man nach einem anstrengenden Tag braucht. Zum Abendessen muss man reichlich Happy Water trinken. Das ist ein hausgemachter Reisschnaps. Aber keine Sorge, blind wird man davon nicht. Happy Water schmeckt nicht besonders gut, aber das ist auch nicht der Zweck des Ganzen. Vielmehr ist dieser Fusel dafür da, alle Hemmungen für das darauffolgenden Karaoke hinfort zu schwämmen. Eines kann ich euch verraten: das klappt sehr gut!
Die Vietnamesen haben zudem Gefallen daran gefunden, den Touristen einen „traditionellen“ (?) Trinkspruch beizubringen. Der geht so:
một, hai, ba, zo!
(Das bedeutet: Eins, zwei, drei, Prost! Eins, zwei, Prost! Eins, zwei, trink!)
hai, ba, zo!
hai, ba, uống“
Wie es bei billigem Schnaps eben so ist, hat man auch am nächsten Morgen noch was vom Suff – einen gewaltigen Schädel. Deshalb ist es ratsam, mit Bedacht zu trinken. Das habe ich besonders am letzten Morgen gemerkt. Denn mit gefühlt drölf Promille Restalkohol fühlt man sich etwas wackelig auf der Honda. Und das Wichtigste ist ja, dass man heil wieder zurück kommt.
Überlegt keine Sekunde…
…, ob ihr den Há Giang-Loop macht, wenn ihr die Möglichkeit dazu habt. Erfahrenen Zweiradfahrern rate ich, die Tour selbst zu fahren. Wenn ihr euch dessen nicht sicher seid, steigt bei einem Guide auf den Feuerstuhl. Ihr werdet es nicht bereuen. Ich verspreche euch unglaubliche Bilder, spannende Geschichten und jede Menge geile Bekanntschaften. Und das könnt ihr jeden fragen, der den Loop hinter sich hat.
Wenn ihr den ersten Teil dieses Beitrags noch nicht gelesen habt, hier findet ihr „Há Giang – eine Tour, die dein Leben verändert“.
Klasse Artikel. Danke dir! Ich habe nur eine Frage: Lohnt es sich deiner Meinung nach nun ein Paket zu buchen, oder kann man das auch gut auf eigene Faust machen?
Ich selbst fahre Motorrad, aber bin mir nicht sicher, ob es sich lohnt sich nicht um die Routen kümmern zu müssen?
Liebe Grüße
Christian
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Danke Christian 🙂 Man kann das theoretisch auch gut auf eigene Faust machen. Nur war ich ganz froh, Guides dabei zu haben. In unserer Gruppe hatten wir drei platte Reifen. Da ist es ganz gut, wenn jemand dabei ist, der weiß, wie man das schnell behebt. Mein Tipp: sich einer Gruppe anschließen aber nicht die Unterkünfte im Vorfeld buchen. Das kannst du auch vorort machen. Da spart man eine Menge Geld.
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