Es ist schon verrückt. Hätte mir vor zwei Jahren jemand gesagt, dass ich irgendwann mal Herr über sieben Hühner sein würde, ich hätte – ja, was hätte ich denn? – vermutlich herzlich gelacht. Wieso legt man sich überhaupt Hühner zu, wäre meine nächste Frage gewesen. Klar, die Eierversorgung ist gesichert; so horrend war mein Verbrauch aber nicht, dass ich zu diesem Mittel hätte greifen müssen. Hühner legt man sich auch nicht mit dem selben Motiv zu, wie Kaninchen beispielsweise. Gut zum Schlachten vielleicht, aber nicht, weil Hühner so unglaublich putzige Tierchen sind. Nein, der Grund, war ein anderer. Zuerst waren es meine beiden Mitbewohner, die mich überzeugten. Dann ein Bauprojekt und letztendlich die Hühner selbst.
Eines muss ich auch gleich mal wieder relativieren – Hühner sind ganz schön putzige Tierchen. Wenn wir Herr Tur Tur – so heißt unser Gockel – und seine Hennen in der Früh aus ihrem Stall lassen, dann fetzen sie erstmal ein paar Runden durch das Gehege. Dann watscheln sie ein paar Meter durch ihr Habitat und picken den restlichen Tag vor sich hin.
Ja, das Picken scheint ihre Lieblingsbeschäftigung zu sein. Essen bis der Arzt kommt quasi. Ich bin fest davon überzeugt, würden die Sieben einen Futterautomaten in ihrem Stall haben, der in regelmäßigen Abständen Futter ausspuckt, die würden irgendwann platzen. Aber ohne mit ihren Hühnerwimpern zu zucken!
Er kräht, er plustert sich auf, er belästigt regelmäßig die Damen.
Besonders spannend ist die Entwicklung der Hühner zu verfolgen. Als wir sie im März vergangenen Jahres gekauft haben, waren die Sieben ganz klein. Wir konnten sie nicht voneinander unterscheiden; nicht mal mit Sicherheit sagen, welches Hühnchen der Gockel ist. Das hat sich aber recht schnell geändert. Mal von Herrn Tur Turs stereotypischem Aussehen abgesehen – er kräht, er plustert sich auf, er belästigt regelmäßig die Damen. Zumindest wirken Hanne, Daphne, Kimchi, Pastrami, Frieda und Curie nicht immer sehr angetan von seinen plumpen Annäherungsversuchen.

Das muss man sich so vorstellen: Morgens öffnen wir den Innenstall, der während der Nachtruhe geschlossen ist. Dann sprinten die sechs Hennen auch gleich ins Freie. Tur Tur hinterher. Vermutlich ist es dabei nicht nur der Bewegungsdrang und die frische Luft, die sie nach draußen drängt. Fluchtinstinkt ist da vielleicht das richtige Stichwort.
Wie wir also zehn Freunde geworden sind?
Am Anfang gab es Berührungsängste auf beiden Seiten des Geheges. Man muss dazu wissen: Hühner sind nicht unbedingt die Gattung Haustier, die man liebevoll in den Arm nimmt und ihnen sanft über das wuschelige Köpfchen streichelt. Nein. Hühner sind schneller als wir und verdammt drahtig – viel Spaß also beim Fangen. Hühner bleiben zumindest bei Tag nicht gerne auf deinem Arm sitzen, sie flattern stattdessen aufgeregt mit ihren Flügeln. Und Hühner haben zwar ein Köpfchen, das ist aber ungefähr so wuschelig wie eine Zahnbürste.
Früher sind sie vor uns geflüchtet, wenn wir uns dem Stall näherten. Mittlerweile eilen sie aufgeregt zur Tür des Geheges. Jetzt gibts Essen, denken sie sich vermutlich. Generell – Hühner sind recht leicht zu durchschauen. Sie sind nicht ganz so blöd, wie man meint, aber außerordentlich triebgesteuert. Was die vorhin beschriebenen allmorgendlichen Jagdszenen beweisen.
Wenn auch der eine etwas mehr nervt, als die sechs Damen. Im Sommer vergangenen Jahres haben wir sogar ein Foto-Shooting mit ihnen veranstaltet. Bei Dämmerung, damit sie nicht so aufgeregt sind. Wir haben sie auf den Arm genommen und dann Partner-Fotos geschossen. Dabei sind sie ganz ruhig geblieben. Es scheint so, als ob die Hühner uns als ihre Ernährer akzeptiert hätten. Sie scheinen uns zu vertrauen. Und wir haben die sieben Vögel in unsere Herzen geschlossen.






