Das Corona-Monster

Noch vor wenigen Monaten wurde das Coronavirus von der breiten Masse belächelt. Jetzt ist es da und wird so schnell auch nicht mehr verschwinden, das sagen zumindest Nachrichten und Experten. Seit Wochen richten wir schon unseren Alltag nach dieser Pandemie aus. Wir bleiben Zuhause, gehen allenfalls zum Supermarkt oder zum Frischluftschnappen nach draußen. Anfangs gab es viel Kritik, ob diese Einschränkungen der Freiheit wirklich nötig seien. Mittlerweile hat genau diese breite Masse verstanden: Ja, das ist es. Die Kritik gilt nun denen, die sich rebellisch den Verordnungen widersetzen und Corona-Partys schmeißen. Die trotz Kontaktsperre zu dritt im Park joggen gehen und die noch immer die Pandemie mit der großen Grippewelle von 2018 vergleichen. Wie soll man das irgendwann seinen Enkeln erklären?

Der Service an Bord wird auf ein Minimum reduziert

Über meinen Mitbewohner Lasse habe ich im letzten Blog-Beitrag berichtet. Er war in Südtirol Skifahren, hatte danach Erkältungssymptome und wir beide ein wundervolles Wochenende in Quarantäne. Da war die Lage noch spaßig, man konnte jedoch das Ungetüm schon erahnen, das sich langsam über die Grenzen schlich. In der Zwischenzeit ist auch Jan, Mitbewohner zwei aus dem Südostasien-Urlaub zurückgekehrt. Das ist ihm buchstäblich in letzter Sekunde gelungen, denn er hatte einen der letzten Flieger von Hanoi nach Deutschland erwischt. Muss ein angenehmer Flug gewesen sein: alle Passagiere mussten Gesichtsmasken tragen, die Crew Komplettausrüstung und alle waren auf Sicherheitsabstand getrimmt. „Der Service an Bord wird auf ein Minimum reduziert“, schrieb die Airline. Ein Träumchen mit Flügeln.

Ein Rad ins andere

Dass diese Vorkehrungen notwendig sind, ist keine Frage. Im Gegenteil. Mich beeindruckt die Schlagkräftigkeit unseres Gesundheitssystems. Nicht, dass ich jemals an der Kompetenz dieser Leute gezweifelt habe, nur hätte ich niemals gedacht, dass A, in diesem Tempo das gesamte öffentliche Leben heruntergefahren werden kann und B, dass so schnell verschiedenste Bereiche zusammenarbeiten können.

Viele deutsche Touristen, die im Ausland festgesessen sind, berichten von der nagenden Ungewissheit. Sie beschweren sich über das Ausgeliefertsein und die schleppenden Informationen seitens des Auswärtigen Amtes und der Botschaften. Wie gesagt – Jan hatte Glück und beschwerte sich eigentlich nur über die geschlossenen Läden und Sehenswürdigkeiten in der vietnamesischen Hauptstadt. Er saß nie wirklich fest. Er hatte die Möglichkeit schnell seinen Flug umzubuchen.

Wie ist die Lage im Fernen Osten?

Doch ganz so rosig sei die Zeit auch wieder nicht gewesen. Er berichtete von Europäer-Bashing und der Isolation in Hoi An. Eine Woche lang konnte er die Stadt nicht verlassen. Vielerorts sei er als Europäer abgewiesen worden, weil Touristen Corona nach Vietnam gebracht hätten. Eigentlich kein anderer Zustand als in Europa, wo kurz nach dem Bekanntwerden des Virus, asiatisch aussehende Menschen teils diskriminiert und ausgegrenzt wurden. Die Gerechtigkeit des Corona-Monsters? Nein, wohl eher beides durch Menschen verursacht, die man umgangssprachlich als Dumpfbacken bezeichnet.

Sitzt das Corona-Monster schon an unserem Küchentisch? Zum Glück noch nicht, denn wir sind – Stand jetzt – alle drei kerngesund. Mittlerweile ist eine Art Normalität eingekehrt, man gewöhnt sich an das Zuhausebleiben und das A**** wundsitzen. Wenn jedoch jemand plötzlich hustet, der Vordermann mit selbstgenähter Gesichtsmaske beim Rewe an der Kasse oder der Burnout gefährdete Postbote vor lauter Anstrengung, dann wird man misstrauisch. Dann gehen alle Alarmglocken an. Auch wenn dir jemand aus Gewohnheit die Hand hinstreckt, wird einem mulmig zumute. Vielleicht wartet das Ungetüm also schon am Briefkasten, unten ander Straße.

Wie dem auch sei – reinlassen werden wir es auf jeden Fall nicht.

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