Eier, wir brauchen Eier

Schlange stehen vor dem Baumarkt – in Corona-Zeiten ein gewohntes Bild. Spätestens nach der ersten Woche zu Hause verspürten gefühlt 90 Prozent der Deutschen plötzlich den Wunsch, ihr langersehntes Heimwerker-Projekt in Angriff zu nehmen. Keller aufräumen, Gartenlaube zimmern, endlich die Holzachterbahn im Vorgarten zusammenspaxen. Die Menschen haben Zeit. Und die wird jetzt genutzt, um sich Haus und Garten zuzuwenden. Ich bin schon gespannt, was für Bauwerke und Prachtanlagen während der Krise zustandekommen.

Fairerweise muss ich aber sagen, dass auch uns irgendwann die Decke auf den Kopf fiel. WG-Motor Lasse hatte auch gleich ein passendes Projekt auf Lager: Seit im September vergangenen Jahres unsere Kaninchen vom Fuchs gerissen wurden, steht unser Gehege im Garten leer. Ihr sehr schon, dieser Satz beinhaltet gleich zwei Probleme, die wir unbedingt beheben wollten.

Zwei Probleme, ein Projekt

Problem eins. Der Stall ist leer. Deshalb waren wir uns in einer Sache auf Anhieb einig: Wir wollen wieder kleine Bewohner in unserem Garten. Denn leere Ställe stehen nicht nur im Weg rum, sie sind auch unglaublich unbefriedigend. Besonders in unserem Fall. Wie ein vergessener Freizeitpark oder eine verlassene Luxusvilla. Zwar schön anzuschauen, aber irgendwie fehlt das Leben.

Problem zwei. Ja, der Fuchs mag den Garten hinter unserem Haus. Das liegt vermutlich daran, dass wir jedes Mal Futter nachlegen, wenn er sich seinen haarigen, rotbraunen Wanst vollgeschlagen hat. Schon vor meiner Zeit hielten Janni und Lasse diverse Tiere im Gartengehege – Okay, eigentlich waren es nur Hühner und Hasen. Die meisten endeten in einem Fuchsmagen. Wie verhindern wir also, dass unser haariger Kollege wieder ein Massaker anrichtet?

Zwar schön anzuschauen, aber irgendwie fehlt das Leben

Wir entschieden uns für Hühner – again. Die sind nicht nur auf ihre Weise verdammt putzig, sondern haben auch noch den netten Vorteil, dass sie Eier legen. WG-Eier. Wie cool ist das denn bitte? WG-Eierlikör, WG-Omeletts, WG-Eierkuchen, Rührei, Spiegelei, Senfeier, Eiersalat, gekochte Eier, pochierte Eier. Unendlich viele Möglichkeiten. Doch um Problem zwei zu beheben, mussten wir das Gehege aufpimpen. Unsere Heimwerker-Projekt stand also fest.

Wir entschieden uns, den alten Stall komplett abzureißen und einen neuen, stabileren, abschreckenderen zu bauen. Also ab zum Baumarkt, Erdnägel sowie Holzbalken kaufen und den Akkuschrauber aufladen. Das alte Gehege abzubauen ging erstaunlicherweise ziemlich fix, gab es doch viel Material auseinander zu schrauben. Danach begann der spannende Teil.

Der alte Stall gefiel dem Fuchs ziemlich gut

It’s getting serious…

Vor uns lag eine brache Fläche. Lediglich drei Wolfsmilch-Pflanzen und der alte unkaputtbare Apfelbaum standen noch dort. Was hatte dieser Stamm schon erlebt? Sonst gab es nur vertrocknete Erde und ein paar verkümmerte Grashalme.

Eine Ausgrabungsstätte

Zunächst maßen wir die Fläche aus und markierten die Eckpunkte, an denen wir die Holzpfosten einsetzen wollten. Wir kamen uns vor wie Archäologen, denn zwischen den Markierungsstangen spannten wir eine Rebschnur. Wie auf einer Ausgrabungsstätte eben. Dadurch bekamen wir einen Überblick über die Dimensionen unseres neuen Geheges. Dann kam der schönste Teil: wir schlugen die Erdnägel in die Erde. Für alle, die mit dem Begriff „Erdnagel“ nichts anfangen können – das sind quasi Metallschuhe für die Holzpfosten, die sich einfach im Boden versenken lassen. Sie haben den Vorteil, dass sie das Holz vor dem Vermodern bewahren. Das Vorschlaghammerschwingen ist Balsam für aggressive Seelen. Es macht aber auch so Spaß, auf etwas einzudreschen.

Pfosten rein, Querbalken verschraubt, als dann das Grundgerüst stand, ging es Schlag auf Schlag. Janni und ich tackerten die Hasengitter am Gerüst fest. Währenddessen sägte Lasse alte Weinbergpflöcke klein und schlug die Stücke als Palisade entlang des Gerüstes in die Erde.

Erdnägel und Holzpfosten sind schonmal drin

Buddeln gegen das Durchbuddeln

Maulwurf Lasse grub auf der Gartenseite des Geheges eine Rinne aus. Dort setzte er Getränkekästen ein, zwei übereinander, damit sich der Fuchs nicht unter dem Gitter durchgraben kann. Viel Arbeit, doch das Ergebnis entschädigt für die Mühen. Die Kästen sind nicht nur ein Sicherheitsaspekt, sondern machen auch optisch einiges her. Außerdem hatten wir alle den Eindruck, dass Lasse viel Spaß dabei hatte.

Beim Bau bekamen wir auch eine Menge Unterstützung. Nachbarn liehen uns Werkzeuge und schenkten uns sogar Baumaterial, das sie nicht mehr brauchten. Freundinnen und Freunde halfen und beim Anstreichen, Sägen, Spaxen und Hämmern. Natürlich mit Abstand, der Verordnung folgend. Danke dafür an dieser Stelle.

Nach etwa zwei Wochen sukzessiven Bauens, sind wir sehr stolz auf unsere Arbeit. Zwar fehlt noch eine Tür und ein vernünftiger Innenstall – die Hühner brauchen zum Schlafen und Eierlegen einen geschützten Raum –, aber wir können soweit sagen, dass das Problem zwei behoben ist. Nun müssen wir uns um das erste kümmern. Doch das wird das kleinste Problem.

Bald können die Hühner einziehen

Hinterlasse einen Kommentar